In der Juli-Ausgabe der alternativen, kulturkritischen Wiener Monatszeitung MALMOE gibt es eine Doppelseite zu “Cultural Turns” und ihren Impulsen für eine engagierte Kulturwissenschaft. Neben einer Rezension zu vier kulturwissenschaftlichen Neuerscheinungen (”4 Varianten des kulturtheoretischen Einstiegs”) findet sich unter dem Titel “Kritischer Überschuss” ein Interview mit Doris Bachmann-Medick “über den politischen Gehalt kritischer Kulturwissenschaften, neue Analysekategorien und die Herausforderungen der veränderten Welt nach 9/11 für die Kulturwissenschaften.” Eine Langfassung dieses Interviews (geführt von Ingo Lauggas) ist zugänglich in der online-Ausgabe von MALMOE (www.malmoe.org).
Ausgehend von einer Konferenz zum 250. Geburtstag Goethes an der University of Mumbai (Bombay) ist nun der entsprechende Sammelband erschienen:
World Literature: Contemporary Postcolonial and Post-Imperial Literatures.
Hg. Nilufer E. Bharucha. New Delhi: Prestige Books 2007.
Die in der Mehrzahl indischen Beiträge in diesem Band zielen auf eine postkoloniale und postimperiale Neuinterpretation von Goethes Konzept der Weltliteratur. Gemeinsamer Fokus ist eine kritische Erweiterung des Weltliteraturkanons und eine Entprivilegierung des traditionellen europäischen, eurozentrischen Konzepts. Dabei werden z.T. die Neuansätze der Weltliteraturkonzeption weitergeführt, die Homi Bhabha in seinem Buch “The Location of Culture” entwickelt hat. Homi Bhabha selbst äußerst sich in diesem Sammelband in einem Interview über “Postcoloniality, Minorities and World Literatures” (S. 11-28).
Der Band besteht aus 4 “Theme Papers” (u.a. Bhabha-Interview und D. Bachmann-Medick: Literary Texts Between Cultures: An Excursion into Postcolonial Mappings) und aus 18 Beiträgen zu “Literatures in a Postcolonial/Post-Imperial World”, die sich mit anglophonen und francophonen Literaturen aus Kanada, Afrika, Portugal, Australien beschäftigen, aber auch mit deutscher Exil- und Nachkriegsliteratur als einer spezifischen Form von Weltliteratur.
Notizen zum “performative turn” und ein announcement von “Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften” finden sich auf dem weblog der interessanten Internet-Zeitschrift liminalities.a journal of performance studies.
Wie stark die kulturwissenschaftlichen Theoriewenden an gesellschaftliche Vorgänge und Phänomene der Alltagskultur rückgebunden sind, meist ohne dass man sich dessen bewusst ist, zeigt Kerstin Cornils in ihrem Artikel “Die Büchse der Pandora” (Göttinger Stadtmagazin “Pony”, Februar 2007, S. 21 f.) - zugleich ein Beispiel für eine politische Lesart in der Rezeption von “Cultural Turns”.
Der angekündigte 2.Teil des Artikels von Thomas Anz zur Frage “Emotional Turn? Beobachtungen zur Gefühlsforschung” ist mittlerweile erschienen, so dass nun der vollständige Artikel auf literaturkritik.de vorliegt. Die Diskussion ist eröffnet.
Laut der Dezemberausgabe von literaturkritik.de zum Schwerpunkt “Emotionen” scheint sich - rechtzeitig zur Weihnachtszeit - die Annahme eines “emotional turn” in den Literatur- und Kulturwissenschaften bis hin zu den Neurowissenschaften zu verdichten. So jedenfalls behauptet Thomas Anz, der sich deutlich anregen lässt durch die neue Aufmerksamkeit für “cultural turns”. Mit Blick auf bereits vorliegende, profilierte Ansätze der literaturwissenschaftlichen Emotionsforschung spürt er der Herausbildung eines “emotional turn” nach. Werden dabei weitgehend vergessene Leitbegriffe wie “Erlebnis”, “Einfühlung” und “Pathos” rehabilitiert? Zur Beantwortung dieser Frage macht sein Artikel erste Schritte, für weitere ist die angekündigte Fortsetzung abzuwarten.
Besprechung von Karl-Heinz Kohl in der FAZ vom 3. November 2006, Nr. 256, S. 37. Link
Das Interview auf der iconicturn-website reflektiert den “iconic turn” im weiteren Spektrum kulturwissenschaftlicher Theorie- und Forschungs”wenden”.
Es versteht sich nicht zuletzt als Anregung - jenseits der Debatten zwischen Kunstgeschichte und Bildwissenschaft - eine breitere, kulturwissenschaftliche Re-Vision bzw. Erweiterung der Diskussion über das Potenzial von Bildern, Blicken und visuellen Wahrnehmungen sowie ihrer Analyse ins Auge zu fassen.
Auf dem weblog www.antropologi.info findet sich ein kurzer Text zu “turns” aus ethnologischer Perspektive.
In Vorbereitung ist ein Special Issue zum “Translational Turn” (ed. Doris Bachmann-Medick) der ab Januar 2008 bei Routledge erscheinenden neuen Zeitschrift “Translation Studies. International peer-reviewed journal”.
Geplantes Erscheinungsdatum dieses Special Issue ist Januar 2009.